Hackordnung: „Gewitter“ im Sozialgefüge der Hühner

Wie wir schon oft betont haben, sind Hühner sehr soziale Tiere. Damit es in ihrem Sozialgefüge keine Streitigkeiten gibt, leben sie in einer Hierarchie zusammen: der Hackordnung. Sie legt fest, wer über wen hacken, ähm bestimmen, darf. Die Rangordnung ist nie stabil; jedes gesunde Huhn ist fast ständig mehr oder weniger involviert. Während die stärksten und cleversten oben stehen, fügen sich die anderen. Der Kampf um die Hackordnung ist für Hühner nichts Schlimmes. Im Gegenteil, die in der Hierarchie höhergestellten Hühner kümmern sich um alle – und sind bei drohender Gefahr die letzten, die in den Hühnerstall rennen, um Schutz zu finden.
Die Hackordnung bei Hühnern. Wir zeigen, welche Spielregeln gelten und wie die typische Rollenverteilung aussieht. Was ist deine Rolle als Halter*in dabei? Und wie leistest du Erste Hilfe bei Hühnern?
Die „Spielregeln“ der Hackordnung
Die Rangordnung spielt in jedem Hühnerleben eine bedeutende Rolle. Bei den Kämpfen um die Hackordnung handelt es sich jedoch keinesfalls um ein sinnloses Drangsalieren anderer Gruppenmitglieder. Vielmehr geht es darum auszufechten, wer der oder die Stärkste ist und den besten Zugang zu begehrten Ressourcen erhält. Welches Huhn also beispielsweise beim Futter oder bei der Schlafplatzwahl Vorrang hat. Bereits bei wenige Wochen alten Küken lässt sich ein solches, dort noch spielerisches, Verhalten beobachten.
Auch wenn immer eine kleine Dynamik in der Herdenordnung zu spüren ist, bleibt eine einmal ausgefochtene Hierarchie erstmal stabil. Grundsätzlich werden diese jedoch bereits ab einer Gruppe von nur drei Tieren ausgetragen.
Die bekannteste Drohgebärde ist das Hacken. Sinnbildlich stehen dafür zwei Streithähne, die ausfechten, wer der Stärkere ist und folglich, wem das Revier und die Hennen gehören. Der unterlegene Hahn verlässt entweder das Revier oder lebt am Rand als sogenannter Satellitenhahn.
Als ehrgeizige Henne, die vielleicht neu dazukommt, wird sie sich vom unteren Ende der Leiter beginnend nach oben arbeiten. Dafür fordert sie ihre schüchternen Mitbewohnerinnen nach und nach heraus. Sobald der Rang mit einem Huhn geklärt ist, tritt das unterlegene beiseite und das dominante Huhn hört für gewöhnlich auf mit seinen Angriffen.
Lerne mehr über das Verhalten von Hühnern:

Was bestimmt die Position in der Hackordnung?
Die Rangordnung innerhalb einer Hühnerschar bildet im Normalfall vor allem eine Altersschichtung ab. Das heißt, dass ältere, erfahrenere Tiere im Rang für gewöhnlich weiter oben stehen, während jüngere sich erst noch durchsetzen müssen. Nur selten raffen sich junge Hennen dazu auf, älteren und mutigeren Althennen den Rang streitig zu machen.
Huhn Eileen weiß: Neben dem Alter wird die Herdenzugehörigkeit noch durch das Aussehen, den Charakter oder durch Größenunterschiede beeinflusst. Wenig überraschend dürfte sein, dass sich rein körperlich überlegene Hühnerrassen schneller einen Weg nach oben bahnen können.
Hackordnung – die „Rollen“
Im Idealfall besteht eine Hühnerhierarchie aus einem dominanten Hahn, einer Leithenne und einer flacheren linearen Hierarchie darunter. Linear meint hier: Huhn A dominiert Huhn B, Huhn B dominiert Huhn C, Huhn C dominiert Huhn D usw. Verzwickt wird es dann, wenn weniger geradlinig Huhn A Huhn B dominiert und Huhn B Huhn C, aber Huhn C wiederum Huhn A dominiert … Eine Doppelspitze bietet gute Voraussetzungen für ein ruhiges und harmonisches Herdenleben.

Dominanter Hahn
Der dominante Hahn ist das unumstrittene Oberhaupt der Herde – und steht eigentlich oberhalb der Hackordnung der Hennen. Er kontrolliert die Hennen, aber er umsorgt und beschützt sie auch. Tut er eine Futterquelle auf, überlässt er den Hennen „ritterlich“ den Vortritt – außer in der Mauser, in der er alle Kräfte zusammenhalten muss und sich zuerst bedient.
Er geht dazwischen, wenn es unter den Hennen zu Streitigkeiten kommt. Hin und wieder wird er von rangniederen Hähnen herausgefordert. In der Regel wollen diese gar nicht unbedingt seinen Job, sondern nur in der Herde Unterschlupf finden oder Hennen in der Gruppe begatten dürfen.
Der Alpha-Hahn hat eine Lieblingshenne, die an beliebiger Stelle in der Rangordnung stehen kann. Seine Position als ranghöchstes Huhn verleiht ihm eine Menge Selbstvertrauen. Man erkennt den dominanten Hahn leicht an seiner stets herausfordernden, angriffsbereiten Haltung – nicht nur den anderen Hühnern oder Feinden gegenüber, sondern auch bei Menschen.
Leithenne
Die Leithenne steht als Beta-Huhn an der Spitze der Hackordnung. Sie zeichnet Kraft, Gesundheit und Intelligenz aus – und unterjocht alle bis auf Hahn oder Alpha-Huhn … Dabei übernimmt sie auch viel Verantwortung und gibt für die anderen Hennen die Richtung vor. So ist sie häufig immer die Erste beim Futter.
Wächterin (Alpha-Huhn)
Fehlt der Hahn, wird diese Lücke eben durch eine Henne ausgefüllt. Die sogenannte Wächterin übernimmt einen Teil seiner Aufgaben und beschützt die Herde. Zu erkennen ist die Wächterin daran, dass sie gern eine erhöhte Stellung einnimmt, um den Überblick über die Herde zu behalten oder um Feinde am Boden oder in der Luft schneller auszumachen. Bei Gefahr alarmiert sie die Herde mit einem Warnton, der sich je nach Gefahrart unterscheidet.

Rangletzte Henne
Das rangniedrigste Omega-Huhn zeigt meist ein unterwürfiges Verhalten, das häufig kranken oder schwachen Tieren zukommt. Zu erkennen ist das rangletzte Huhn daran, dass es allen anderen ausweicht.
Du als Hühnerhalter*in
Für Hühner gibt es ein weiteres wichtiges Mitglied der Herde: dich als Halter*in! Besonders zutrauliche Rassen können als Familienhuhn eng mit den Menschen zusammenleben. Wie oben angedeutet, kann es auch mal zu Auseinandersetzungen zwischen dir und dem Hahn kommen. Aufbäumen und Drohgebärden sind dann hier zu beobachten.
Deine Rolle (Aufgabe) in der Hackordnung
Die Devise lautet: Cool bleiben! Denn auch, wenn das Sozialgefüge der Hühner und die Auseinandersetzungen darum manchmal ein wenig hart und roh auf dich wirken, darf man hier nicht mit menschlichen Maßstäben messen. Hühner bewerten das Kräftemessen mit Hacken, Vertreiben, Gegacker und dem Fliegen von Federn viel weniger dramatisch als wir. Auch wenn du nur helfen willst: Ein dauerndes Einschreiten führt dazu, dass sich die Kämpfe nur verlängern.
Vor allem Neuzugänge befeuern neue Kämpfe um die Hackordnung. Immer, wenn neue Tiere in die Herde dazukommen oder ein ranghohes Tier z. B. einem Fressfeind zum Opfer fällt und eine Nachfolge gesucht wird, wird neu sortiert. Um zu vermeiden, dass neue Tiere an unterster Stelle des Sozialgefüges landen und so zum „Prügelknaben“ werden, sollte man immer mindestens zwei Hennen gleichzeitig eingewöhnen.
Unser Tipp: Neue Hühner eingewöhnen – so gehts!

Behacken sich zwei Hennen hartnäckig und anhaltend, kannst du ggf. das Außengelände neu strukturieren. Dabei hilft es schon, für viel Platz und Ausweichmöglichkeiten sorgen. So kann das rangniedere Tier der Siegerin aus dem Weg gehen.
Bleibt das aggressive Verhalten jedoch bestehen, nachdem die Hackordnung festgelegt wurde, könnten dahinter ernsthafte Verhaltungsstörungen stecken, die in Federbeißen und Kannibalismus kulminieren. Hinter diesem extremen Verhalten verstecken sich häufig Stress wie Umzug, Überfüllung, Futterwechsel, Zugänge, Langeweile oder Krankheiten. Hier sollte den Ursachen sorgfältig auf den Grund gegangen werden, damit sie abgestellt werden können. Wenn nichts funktioniert, sollten die Mobber-Hühner von der Gruppe getrennt werden. In der Zwischenzeit gruppiert sich die Herde neu und wenn dann nach einigen Tagen das Huhn zurückkehrt, muss es erneut von unten beginnen.
Eine gute Regel für Hühnerhalter*innen lautet, keine Rassen zu kombinieren, die sich nicht vertragen. Im Hinblick auf das Größenverhältnis oder einen großen Unterschied im Charakter können hier „unüberbrückbare Differenzen“ bzw. Dominanzen auftreten.
Beobachtest du ein krankes Huhn, das von den anderen angegriffen wird, ist es ratsam zu reagieren, um es nicht dem Naturgesetz, also der Macht der Stärkeren, zu überlassen. Hier reicht es oftmals schon, das betreffende Huhn für die Heilung separat zu halten und die Wunden zu versorgen.
Bis eine(r) weint … Erste Hilfe bei Hühner-Wunden:

Hühnern zuzuschauen ist wahnsinnig spannend. Sie fechten eine Hackordnung aus, in der die Fronten geklärt sind, und nur noch ein Drohen ausreicht, um ein „aus der Reihe tanzendes Tier“ zur Ordnung zu rufen. Im Idealfall gibt es also für das Zusammenleben von Hühnern klare Strukturen und Zuständigkeiten, die allseits respektiert werden: Ranghohe Tiere genießen einen bevorzugten Zugang zu Futter, zu begehrten Schlaf- und Ruheplätzen sowie zu Paarungspartner*innen. Rangniedere Hühner fügen sich (die engagierteren arbeiten sich langsam nach oben), werden aber auch verteidigt und geführt.







Hallo, leider haben wir einiges falsch gemacht. Es gibt zwei Gruppen je zwei seidenhühner zu sechs Jahren. Die eine ist auf Urlaubsbesuch im gewohnten Urlaubsgehege. Diesmal waren zwei neue Seidenhühner bei Ankunft da. Ein kleines ca.vier Monate alt rot und eins braun mit schwarzem Kopf ca.ein Jahr alt. Gekauft bei einem fliegendem Händler aus Westfalen. Die Hühner sind alle geimpft. Das braune beschützt das kleine rote setzt sich vor ihm und steckt gehacke von der alten weißen leithenne ein. Aber auch das alte graue Huhn hakt auf das kleine rote ein. Die steckt in die Enge getrieben ihren Kopf unter die Hühnerleiter. Die Attacke hört nach einem Angriff auf und die alten Hühner ziehen sich zurück. Die neuen machen gar nichts,laufen nicht weg wehren sich nicht. Das braune mit schwarzen Kopf ist schon ausgewachsen aber noch jung sehr ruhig und greift nicht ein wenn eines der älteren eine Attacke reitet. Über Nacht haben wir sie jetzt getrennt und hoffen dass es besser wird. Zwei Futterstellen und Wasserstellen gibt es. Die alten Hühner fressen nur noch sehr wenig sind ruhig und haben anfangs in der äußersten Ecke gesessen.Die neuen haben auch ruhig in der anderen äußersten Ecke Nähe Stall gesessen und viel gefressen, suchen von sich aus nicht die Nähe zu den Alten und gehen auch nicht an deren Futterstelle. Leider haben wir keine Quarantäne durchgeführt. Wie gehen wir weiter vor? Am Abend die alten Hühner waren schon fast im Schlafstall verschwunden ist das alte graue wieder rausgekommen als sich das braune vom roten etwas entfernt hatte und hat es so gehackt das wir es weggenommen haben weil wir Angst hatten es hackt es tot. Was sollen wir tun? Beide nebeneinander auf den Schoß nehmen und jeweils aus der Hand füttern z.b. wir waren erschrocken,weil Seidenhühner doch als sehr sozial gelten. Die rote ist total verschreckt, kein Huhn hat Schnabelatmung gehabt nach den Attacken haben die jungen meist gleich weiter gefressen und getrennt voneinander sich geputzt und wirkten entspannt. Das das graue Huhn nochmal alleine raus ist und die kleine attackiert hat hatten wir nicht erwartet.
Vielen Dank für einen Tipp wären wir dankbar. Leider ist nicht genug Platz zum kompletten trennen. Die Fläche ist jetzt ca. sechs mal drei Meter groß. Bei der zweiten Gruppe hat es besser geklappt, zwei alte hennen rot und braun sehr ruhige Vertreter hatten Angst vor den kleinen nackthälsen drei bis vier Monate alt grau und weiß. Als es zum schlafen ging konnten sie ohne gehacke zusammen in den Schlafstall. Die waren am Tag nur einmal kurz etwas von der eigendlich ruhigeren etwas gehakt worden mehr nicht. Eigentlich hakt bei den alten die braune die Rote vom Futter weg, die sich davon aber nicht beeinflussen lässt sonst kuschelig miteinander sind.
Hallo Herrig,
macht euch bitte nicht zu viele Vorwürfe. Solche Situationen passieren wirklich häufig, gerade wenn neue Hühner dazukommen. Ihr reagiert aufmerksam und kümmert euch, das ist das Wichtigste.
Was gerade passiert
Das Verhalten, das ihr beschreibt, ist ein typischer Rangordnungsstress. Auch bei Seidenhühnern, die oft als sehr sozial gelten, gibt es klare Hierarchien. Neue Tiere werden anfangs oft deutlich abgelehnt.
Besonders schwierig ist in eurem Fall die Kombination aus neuer Gruppe, wenig Eingewöhnung und einem deutlich unterlegenen, jungen Tier. Dass das kleine rote Huhn gezielt angegangen wird, ist ein klares Warnsignal.
Sicherheit geht vor
Wenn ein Huhn in die Enge getrieben wird und nicht mehr flüchtet, besteht echte Verletzungsgefahr. In so einem Fall ist das Trennen absolut richtig, auch wenn der Platz begrenzt ist.
Wenn möglich, solltet ihr zumindest eine sichtgetrennte Eingewöhnung schaffen, zum Beispiel mit einem Gitter. So können sich die Tiere sehen, ohne sich zu verletzen.
Wie ihr jetzt weiter vorgehen könnt
Lasst die Gruppen erstmal getrennt. Mehrere Futter- und Wasserstellen sind sehr gut und helfen bereits. Nach ein paar Tagen könnt ihr kurze, kontrollierte Zusammenführungen unter Aufsicht versuchen. Wichtig ist, dass die Tiere genug Möglichkeiten haben, sich aus dem Weg zu gehen. Verstecke, Sichtbarrieren oder unterschiedliche Ebenen helfen dabei.
Das gemeinsame Füttern aus der Hand kann unterstützen, ersetzt aber keine Trennung, wenn es ernst wird.
Zum Verhalten der neuen Hühner
Dass sie nicht flüchten oder sich wehren, ist nicht ungewöhnlich. Viele Hühner vom Händler sind sehr unterwürfig, kennen wenig Umweltreize und reagieren in Stresssituationen eher mit Erstarren als mit Flucht.
Wichtiger Hinweis zu Seidenhühnern
Bei Seidenhühnern wird in der Zucht leider oft nicht darauf geachtet, dass die Tiere freie Sicht haben. Prüft unbedingt die Köpfe eurer Hühner. Wenn die Federn die Augen verdecken, sehen sie kaum etwas. Das macht sie unsicher und sie können Angriffen nicht rechtzeitig ausweichen.
In so einem Fall könnt ihr die Federn rund um die Augen vorsichtig etwas freischneiden. Bitte wirklich behutsam vorgehen, aber das kann einen großen Unterschied machen.
Zur fehlenden Quarantäne
Das ist für die Zukunft wichtig, aber jetzt erstmal zweitrangig. Beobachtet einfach, ob Krankheitsanzeichen auftreten.
Fazit
Ihr seid auf dem richtigen Weg, weil ihr eingegriffen habt. Jetzt ist es wichtig, Ruhe reinzubringen, für Sicherheit zu sorgen und die Tiere langsam aneinander zu gewöhnen. Behaltet vor allem das kleine rote Huhn gut im Blick.
Wenn ihr möchtet, könnt ihr gern berichten, wie es sich entwickelt. Dann schauen wir gemeinsam weiter 😊
Viele Grüße und viel Kraft für die Eingewöhnung